Bildung als Schlüssel aus der Armut – für 420 Waisen in Bwindi
Im Südwesten Ugandas, am Rande des Bwindi-Regenwaldes, lernen über 400 Halb- und Vollwaisen in einer spendenfinanzierten Primary School. Was als Initiative eines ehemaligen Waisenkindes begann, soll bald mit einem Skilling Center den Weg in ein selbstbestimmtes Berufsleben ebnen.

Vier Berufsfelder ab 2027
Nach sieben Jahren Primary School soll nicht Schluss sein. Ein geplantes Skilling Center wird Ausbildungen in Administration, Bau, Fashion & Design sowie Tourismus anbieten – direkt am echten Bedarf.
Sechs Toiletten für 500 €
Die Schülerzahl ist von 150 auf über 400 gestiegen – die Sanitäranlagen haben nicht Schritt gehalten. Jede Spende fließt direkt in die Infrastruktur, denn staatliche Mittel gibt es keine.
Größter Spender seines eigenen Projekts
Godfrey Elasmus wuchs selbst als Halbwaise in Bwindi auf und kämpfte sich mit Bildung durch. Heute finanziert der Tourismus-Guide einen Großteil der Schulkosten aus eigener Tasche.

Primary School für ca. 420 Halb- und Vollwaisen
In der Schule werden derzeit ca. 420 Schülerinnen und Schüler (Stand: März 2026) in der Primary School (Klasse 1–7) unterrichtet. Der überwiegende Anteil der Schülerinnen und Schüler sind Halb- oder Vollwaisen aus der Region.
Die Aufnahme erfolgt nach einer Prüfung der Bedürftigkeit, unter anderem durch einen Besuch des Wohnumfelds.
Der Unterricht findet montags bis freitags zwischen 8:00 Uhr und 17:00 Uhr statt, wobei die Klassen 6 und 7 bis 18:00 Uhr unterrichtet werden.
Drei Köchinnen bereiten in der eigenen Küche täglich ein Mittagessen für alle Schülerinnen und Schüler zu.

Aktuelle Finanzierung
Das gesamte Schulprojekt wird ausschließlich aus Spenden finanziert. Es erhält keinerlei staatliche Unterstützung.
Personal
Derzeit sind an der Schule 16 Lehrkräfte, ein Sportcoach sowie drei Köchinnen und ein Sicherheitsmitarbeiter beschäftigt.

Gebäude
Aktuell verfügt die Schule über sieben Klassenräume in Holzbauweise, vier Toilettenräume, eine Küche, ein Büro und einen Aufenthaltsraum für die Mitarbeiter, der auch als Lager dient. Das bisher einzige Steingebäude – unter anderem als geschützter Raum für 15 Computer eines Spenders aus Indien – steht kurz vor der Fertigstellung.


Grundstück
Das Grundstück steht im Eigentum der Schule bzw. der Organisation, die die Schule betreibt. Geplant ist der Kauf eines weiteren kleinen Grundstücks, das sich keilförmig direkt angrenzend befindet. Dort bewirtschaftet ein Bauer derzeit Bananenpflanzen. Die Preisverhandlungen gestalten sich aktuell schwierig.
Spielplatz und Sportplatz
Aktuell wird die öffentliche Fläche vor dem Grundstück bis zur Straße als Spielplatz in den Pausen genutzt. Für wöchentliche sportliche Aktivitäten dient der nahegelegene Dorfplatz als Sportplatz. Hier trainiert auch mindestens einmal wöchentlich die 33-köpfige Fußballmannschaft.

Kurzfristige Planung
Es ist geplant, kurzfristig sechs weitere Toiletten zu bauen – jeweils zwei für Mädchen, Jungen sowie die Mitarbeiter –, da die Anzahl der vorhandenen Toiletten durch den rasanten Zuwachs an Schülern (von 150 auf über 400) nicht mehr der staatlichen Vorgabe entspricht. Die Kosten belaufen sich auf schätzungsweise 500 bis 600 €.
Noch unklar ist, ob die Toiletten auf dem Land eines Nachbarn gebaut werden können, der dieses kostenlos zur Verfügung stellt. Für die langfristige Planung wäre ein Erwerb des zusätzlichen Grundstücks sinnvoll und wünschenswert. Die Kosten von 1.500 € können jedoch aktuell nicht getragen werden.
Mittelfristige Planung
Skilling Center ab 2027
Nach der siebenjährigen schulischen Ausbildung in der Primary School soll nicht Schluss sein. Geplant ist ein ergänzendes Skilling Center, in dem die Schulabgängerinnen und -abgänger direkt im Anschluss an die schulische Ausbildung praktische Fähigkeiten für die Berufsausübung erlernen können.
Vorgesehen sind die Fachbereiche:
- Administration (insbesondere Computerarbeit)
- Bau (Schreinerei, Maurerarbeiten, Betonarbeiten)
- Fashion und Design (Friseur, Nageldesign, Schneiderei/Näherei)
- Tourismus (Guide, Hotellerie, Catering/Koch inklusive Gärtnerei)
Gleichzeitig können die Schulabsolventen praktische Erfahrungen beim Bau neuer Gebäude sowie im täglichen Betrieb der Küche und Gärtnerei sammeln – Lernen am echten Bedarf.
Ersatz der Holzgebäude
Mittelfristig ist zudem geplant, die Klassenräume in Holzbauweise sukzessive durch gemauerte Gebäude zu ersetzen.
Langfristige Planung
Langfristig ist geplant, durch den Kauf eines weiteren Grundstücks und den Bau von Unterkünften die Beherbergung der verwaisten Schülerinnen und Schüler sicherzustellen, die keine Paten in der Gemeinde gefunden haben.
Schule in Uganda – Kosten als Hindernis für den Schulbesuch
Das ugandische Schulsystem ist primär in eine siebenjährige Grundschule (Primary) und eine sechsjährige Sekundarstufe (Secondary) gegliedert, oft als 7-4-2-System strukturiert (vier Jahre O-Level, zwei Jahre A-Level).
Die Primary School (Klassen 1–7) wird je nach Einschulung im Alter von zweieinhalb bis drei Jahren bis zum Alter von 12 bis 13 Jahren besucht. Diesbezüglich besteht Schulpflicht. Die Secondary School (Klassen 1–4) schließt sich im Alter von 12/13 bis 17/18 Jahren an. Die High School (Klassen 1–2) erstreckt sich dann vom Alter 17/18 bis 19/20.
Trotz gebührenfreier Grundschule (UPE) hindern Kosten für Uniformen und Materialien viele Kinder am Schulbesuch. Der Unterricht findet oft in überfüllten Klassen und auf Englisch statt. Die Schulpflicht wird praktisch häufig nicht umgesetzt und auch staatlich nicht durchgesetzt. Die Ausstattung der öffentlichen Schulen ist eingeschränkt. Die Eltern müssen für Bücher und Material (Blöcke und Stifte) zuzahlen. Das können sich viele Eltern nicht leisten, sodass die Kinder zur Arbeit herangezogen werden, um zum Familienunterhalt beizutragen, statt zur Schule zu gehen.

Waisenkinder in Uganda – die Hintergründe
In Uganda gibt es schätzungsweise über zwei Millionen Waisenkinder. Hauptursachen sind die hohe Sterblichkeit durch HIV/AIDS, Armut, Malaria sowie die Folgen bewaffneter Konflikte, insbesondere im Norden des Landes. Viele Kinder verlieren ihre Eltern früh, wodurch sie oft auf sich allein gestellt sind oder in prekären Verhältnissen aufwachsen. Aufgrund der unerschwinglichen Arztkosten ist die Todesursache häufig unbekannt.
Hauptgründe für die hohe Zahl an Waisenkindern (Quelle: u. a. WHO)
- HIV/AIDS-Epidemie: Viele Kinder haben ihre Eltern durch Aids verloren. Die Krankheit hat tiefe Spuren in der Gesellschaft hinterlassen.
- Armut und Hunger: Extreme Armut zwingt viele Familien in die Ausweglosigkeit. Kinder arbeiten oft, um zu überleben, oder enden als Straßenkinder.
- Gesundheitsversorgung und Krankheiten: Mangelnder Zugang zu medizinischer Versorgung führt dazu, dass behandelbare Krankheiten wie Malaria tödlich enden können.
- Bewaffnete Konflikte: Besonders im Norden Ugandas haben langjährige Kriege und Rebellenaktivitäten dazu geführt, dass Kinder ihre Eltern verloren haben.
- Soziale Strukturen: Wenn Eltern sterben, werden Kinder zwar oft von Verwandten aufgenommen, doch fehlt es diesen häufig an Mitteln zur Versorgung – oder die Kinder werden ausgebeutet.
Die Situation der Waisenkinder ist oft prekär, da sie häufig keinen Zugang zu Bildung oder angemessener Ernährung haben und einem hohen Risiko von Ausbeutung ausgesetzt sind.

Sportliche Aktivitäten
Mens sana in corpore sano – ein gesunder Geist in einem gesunden Körper.
Das lateinische Zitat des römischen Dichters Juvenal beschreibt das Ideal, dass körperliche Fitness und geistige Gesundheit einander bedingen. Es ist ein Appell für ganzheitliche Gesundheit – und genau deshalb gehört Sport fest zum Schulalltag.
Ausstattung für den Sportunterricht
Als Auftakt der Zusammenarbeit wurde die 33-köpfige Fußballmannschaft samt Trainer mit Material ausgestattet:
- 33 Paar Fußballschuhe und Stutzen
- Farbige Mannschaftsleibchen
- 2 Trillerpfeifen, 20 Pylonen
- 12 verschiedene Bälle (u. a. 4 Fußbälle, 2 Volleybälle)
- 10 Hula-Hoop-Reifen
- 10 Springseile




Godfrey Elasmus – Initiator sowie Herz und Hirn des Schulprojekts

Godfrey wurde 1989 in Bwindi geboren und lebt heute in Entebbe. Er arbeitet als selbstständiger Guide und begleitet Touristen auf ihren Reisen durch Uganda, Burundi oder Tansania. Seine umfangreiche Expertise zu Flora und Fauna Ostafrikas wird durch seine ornithologische Leidenschaft veredelt. Seine Touren sind etwas ganz Besonderes.
Er selbst ist durch den frühen Tod seines Vaters als Halbwaise aufgewachsen und lebte zeitweise in einem Waisenhaus. Durch diese Erfahrung geprägt, hat er eine starke Durchsetzungskraft entwickelt und sich mit Bildung durchgekämpft, um sein Ziel zu erreichen. Sein beruflicher Erfolg als Guide und die Betreuung internationaler Gäste haben ihn zum Initiator dieses Schulprojekts werden lassen. Er bestreitet aktuell die wesentlichen Kosten aus eigenem Einkommen und ist der größte Spender seines eigenen Projekts.
Wir sind uns einig: Bildung ist der Schlüssel, die Armut zu überwinden.
Daher ist die Unterstützung dieses Projekts für uns – genau wie für Godfrey – eine Herzensangelegenheit.
